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December 17 2012

Der Feminismus und die Amokläufer

Mir reicht’s. (Wieder mal.) Ich hab die Nase voll von diesem Geseiere, diesen jammernden Selbstbeweihräucherungen, diesem verlogenen Weltreduzierungspathos. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich nicht für meine Geschlechtsgenossen schäme, und ich tue es aus freier Entscheidung, mit Hingabe und intellektueller Ernsthaftigkeit.

Und steigender Wut. Diese extremistischen Männerhorden, seien sie rechtsradikal, jüdisch-orthodox oder islamistisch oder was sonst noch: sie erzeugen durch die Bank Brechreiz in mir, wie jede nach Uniformität und Gleichschaltung strebende Ansammlung hirntoter Floskeln von Ruhm, Ehre und Bereitschaft, in den Tod zu gehen. All diese Idioten mit ihrer lebensverachtenden Negierung von allem, was gut, schön und lebens- wie liebenswert ist. Ach, wie viel ich kotzen könnte, passt ja doch auf kein Frühstücksbuffet.

Und jetzt ist also wieder der Feminismus, sind die bösen Weiblichkeiten daran schuld, dass in Amerika zwanzig kleine Kinder ihr Leben lassen mussten. Das schreibt Walter Hollstein, und der Berliner Tagesspiegel entblödet sich nicht, solchem Gedankenreduktionismus auch noch Platz zu bieten. Weil Schulen Tatorte von Amoklaufen waren und die Täter allesamt Männer, schließt Hollstein daraus messerstumpf: „Schule ist für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden.“

Man muss nur kurz darüber nachdenken, dass Morde und Amokläufe auch anderswo stattfinden, um zu erkennen, dass dieser Satz keinerlei kausalen Boden unter den Gänsefüßchen hat. Aurora: „Kinos sind für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden.“ Ein Einkaufszentrum, auch erst ein paar Tage her: „Shopping Malls sind für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden.“ Das ist doch gefährlicher geistiger Dünnpfiff, dafür hat er wohl auch noch Honorar bekommen?

Aber weil Hollstein anscheinend nur ein Thema kennt, wird halt passend gemacht, was ihm so einfällt: Das muss natürlich sein, dieses Zusammentreffen von Schule und Gewalt aus der Hand eines jungen Mannes, weil in den Schulen die Frauen das Sagen haben, denn: „Jungen wachsen heute in einem engen Frauenkäfig von Müttern, Omas, Tanten, Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen auf.“ (Dass in den Einkaufszentren und Kinos Frauen das Sagen hätten, will das auch jemand behaupten?)

Ohne einen Gedanken darauf zu verschwenden (ach, von Gedanken kann hier ja im eigentlichen Sinne eh nicht die Rede sein), warum da eigentlich keine Männer in dieser Kinderwelt auftauchen – sind die alle weggesperrt? Werden junge Männer beim Versuch, sich erziehend betätigen zu wollen, ohne Vorwarnung erschossen? Hat der Weltfeminismus ganz generell die Beteiligung von Vätern am Leben ihrer Kinder verboten? Und warum weiß ich dann davon noch nichts? – faselt Hollstein dann ein bisschen selektiv vor sich hin, dass vage vermutete weibliche Werte in Schule und Erziehungssystem irgendwie dafür sorgen, dass die Jungen von heute nicht mehr richtige Jungen sein können und deshalb unglücklich sind, ADHS kriegen und irgendwann mit Waffengewalt auf Mütter, Kinder und Marsmännchen losgehen. Okay, die Marsmännchen habe ich mir ausgedacht, aber Hollstein sich den Rest ja auch.

Wie ahistorisch ist dieser Blick eigentlich? Bis vor hundert Jahren waren Schulen nahezu ausschließlich männlich geprägt – Lehrer, Erzieher, Psychologen, all das waren seinerzeit Männer, und sind deshalb die wenigen Mädchen, die zur Schule gehen durften, mordende Psychopathinnen geworden? Und ist es nicht auch so, dass schon seit geraumer Zeit – nennen wir es mal: seit Beginn der Aufzeichnungen zu diesem Thema, also geschätzt seit dem Beginn der Geschichtsschreibung – es immer Männer waren, die weltweit den Großteil der physischen Gewalttaten verübt haben? Also auch schon lange bevor der Feminismus zu jener alles umfassenden Krake geworden sein könnte, die Hollstein und seine Glaubensgenossen sich da zusammenphantasieren?

In diesem schönen Video stellt Eric Anderson (ab ca. 6:10) fest, dass alle Welt sich fragen würde, was mit den Frauen los wäre, wenn sie auf einmal ähnlich gewalttätig würden, wie wir es von (vor allem heterosexuellen) Männern längst gewohnt sind (via Batz):

Für Hollstein ist das anscheinend kein Problem, sehr wohl aber, wenn Jungen „im Fach Deutsch Bienengeschichten lesen, im Kunstunterricht Schmetterlinge malen und beim Sport Schleiertänze aufführen“ müssen. Echt jetzt? Schmetterlinge, Bienen und Schleier machen aus Jungs unaufmerksame Schulversager und Amokläufer? So ein Glück, endlich haben die Armeen der Welt einen Weg gefunden, um die ultimativen, gnadenlosen Killer auszubilden: Schleiertanz in der Turnhalle zu Schmetterlingsmusik!

In Wahrheit sind das nur die armseligen Meinungen eines Menschen, der sich partout nicht vorstellen kann, dass ein Leben vielleicht sogar vollständiger sein kann als seine eigene mickrige Vorstellung von Männlichkeit. Dass ein junger Mensch, Mann, Junge womöglich stark und sensibel sein kann, Bienen und Actionfilme mögen, sich rangeln und kuscheln. Wie halt seine Schwestern und Freundinnen auch.

Wollen wir das echt? Wollen wir, dass solche Männer mit ihrem reduzierten, völlig lebensfremd eindimensionalen Verständnis von Geschlechtlichkeit und damit auch von Menschlichkeit die Diskussion darüber bestimmen und leiten, wie wir unsere Kinder erziehen wollen? Wollen wir ernsthaft das Glück unserer Kinder dadurch begrenzen, dass wir ihnen veraltete, einengende Korsette umzwingen, anstatt mit ihnen gemeinsam die Möglichkeiten zu entdecken, die sich aus fluideren Geschlechterbildern ergeben? Was, zum verfickten Teufel, ist so beschissen schlecht daran, dass Jungs auch mal schwach und Mädchen auch mal stark sein dürfen, Jungs strebsam und Mädchen bolzend?

Für Hollstein ist die große Gefahr die Orientierungslosigkeit und damit verbundene Überlastung: Es gebe keine „allgemeingültige[] Bilder[] von Männlichkeit“ mehr, „wie das früher der Fall war. Stattdessen müssen sie sich allein zurechtfinden – nicht zuletzt, weil das die männliche Rolle von ihnen verlangt.“ Und zugleich ist da der Leistungsdruck, zitiert Hollstein eine Studie (vermutlich diese): „Sie sollen Frauenversteher, durchtrainierte Machos, Kinderwagen schiebender Papa und Karrieretyp sein. Das Dilemma ist: Egal, für welche Rolle sie sich entscheiden: der Erfolg ist ihnen nicht garantiert“.

Und wieder stellt sich Hollstein ein Bein mit seiner ahistorischen Perspektive – denn war es wirklich je so, dass Männlichkeit (oder Weiblichkeit) je so eine einfache, geradlinige Sache gewesen wäre? Und glaubt er wirklich der nostalgisch-patriarchalen Wunschphantasie, dass den Männern früher der Erfolg garantiert gewesen sei? Die gerade an den Anforderungen ihrer „Männlichkeit“ gescheiterten Menschen sind Legion – und es sind eben Leute wie Hollstein mit ihren archaischen Männlichkeits- und Menschlichkeitsvorstellungen, die solche Bilder und Erfolgserwartungen zementieren.

Dahinter schwebt natürlich die Vorstellung einer angeblichen alle gesellschaftlichen Strukturen durchsetzenden Weiblichkeit, der die Männer mit ihrem wahren Wesen unterworfen sind. In einem anderen Text Ende September hat Hollstein das so umschrieben: „In der Geschlechterrevolution der späten Sechzigerjahre wurde der gesamte zwischenmenschliche Bereich von Frauen umgedeutet und inhaltlich neu gefüllt.“ Das ist begrifflich so vage, wie es inhaltlich nur von verschwörungstheoretischem Gebrubbel aufgeblasen gehalten wird.

Der genannte Text, im September 2012 in der Aargauer Zeitung erschienen (Quelle, der Text als Word-Datei), enthält im Übrigen, obwohl es um etwas inhaltlich anderes geht, schon nahezu wortgleich die gleichen Argumentationsversatzstücke, den Verweis auf die Bienengeschichten und die Sinus-Studie, die womöglich auch nur dieses eine Zitat zur Situation männlicher Jugendlicher hergibt. Was Hollstein von sich gibt, sind also wirklich nur Fetzen eines durch unhinterfragte Meinungen zusammengehaltenen Luftschlosses von Vorurteilen und Hass.

Die Ironie der Haltung Hollsteins liegt ja darin, dass sie alles andere als aufrecht, stolz und weltgegerbt daherkommt, was man früher mannhaft nannte: es ist eine weinerliche, unerwachsene Trotzreaktion darob, dass die Welt sich entwickelt und dabei nicht fortwährend nett zu ihm und den ach so leidenden Männern ist, deren Geschlechtsgenossen seltsamerweise immer noch die Spitzenpositionen weitgehend unter sich ausmachen. Immer sind die anderen schuld, fast immer die Frauen und vor allem die bösen, bösen Feministinnen; und die Weltsicht ist dann so beschränkt, dass man in allem nur diese eine Ursache am Werke sieht.

Das reduziert die Welt in intellektuell unredlicher Weise auf einen einzigen Zusammenhang, und das ist verschwörungstheoretisch, also vor allem: gedankenfaul. Zu träge, um einen originellen Gedanken zu fassen, zu unerwachsen, um auch nur ein bißchen Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen und zu desinteressiert, um die Welt und die Menschen so zu nehmen, wie sie sind: Schön, hässlich, furchtbar, wunderbar, liebevoll, hasserfüllt, sehnsüchtig, enttäuscht, weiblich, männlich, und immer auch alles dazwischen. Widersprüchlich und komplex vor allen Dingen.

Wenn ich mir etwas für Kinder wünsche, dann dies: dass sie diese Welt in ihrer unendlichen Fülle erleben, kosten und durchdringen können. Und dass ihnen möglichst wenige Menschen wie Walter Hollstein dabei begegnen.


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June 22 2011

… dann ist es Zickenkrieg!

Nämlich, wenn alle Beteiligten weiblich sind. Präzise Beobachtung der Konflikteklassifizierund in deutschen Medien im Graphitti-Blog:

(Danke, Katja!)


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Reposted byAnarchaponyriotsquadhanse

June 08 2011

Stay-at-home Dad

Nice. (Gefunden im mädchenblog.)


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June 01 2011

Gut in Schuss

Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Männer hat bei den letzten Weltmeisterschaften jeweils einen dritten Platz erreicht und bestimmte das mediale, politische und symbolische Leben in diesem Land. Dagegen kickte die Nationalmannschaft der Frauen (“Mannschaft der Frauen” – sic!) quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit – trotz der beiden WM-Titel in Folge. Doch jetzt wird alles anders! Denn seit gestern sind erstmals Panini-Sammelalben zu einer Frauen-WM im Handel. Zur Erinnerung: Diese Alben mit den Bildchen zum Sammeln und Kleben begleiten die Männer-WMs seit 1970. 1970: In diesem Jahr wurde es Frauen in der BRD offiziell erlaubt, Fußball zu spielen. 1955 hatte dies der DFB noch ausdrücklich verboten, Fußballspielen sei gegen die weibliche Natur.

Panini Deutschland-Kader WM2011

Bildquelle: Panini

Seitdem hat sich einiges getan: 1982 fand das erste Länderspiel der Frauen gegen die Schweiz statt (Endstand 5:1) und seit 2010 gibt es eine Tipp-Kick-Variante mit weiblichen Figuren. Nachdem es 70 Jahre nur mit Männern funktioniert hat. Und noch eine Premiere: Die Trikots einer Nationalmannschaft können die Fans schon lange kaufen, auch an weibliche Schnitte zu den Männer-WMs wurde gedacht. Und nun gibt es auch männliche Schnitte zu den Frauen-Trikots! Famos.

Und warum all das? Der Erfolg der Spielerinnen? Fortschreitende Gleichberechtigung? Nein, die Spielerinnen werden endlich schön. Ach ja.


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May 18 2011

Doku: The Perfect Vagina

Ein 2009 gedrehter Dokumentarfilm von Lisa Rogers und Heather Leach über den Trend, daß immer mehr britische Frauen sich ihre Vagina operativ “verschönern” lassen. (Hier ist ein Artikel im britischen Guardian zu dem Film mit mehr Hintergrundinfos.)

Der Film ist in englischer Sprache und, wie man im Internet so sagt, NSFW – Not Safe For Work, also nicht dafür geeignet, daß man ihn sich in Kontexten ansieht, in denen anderer Leute moralischer oder ästhetische Grenzen berührt werden könnten. Es geht nämlich um Geschlechtsorgane.

(via)


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May 10 2011

“I wish they’d get over me.”

(von xkcd)


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May 03 2011

Anne Frank und die Anatomie der Geschlechtsorgane

Meine Lektüre des Tagebuch der Anne Frank liegt schon eine Weile zurück, so daß ich mich nicht daran erinnere, ob meine Ausgabe damals die Stelle enthält, die vor etwa anderthalb Jahren in einer Schule in Virginia (USA) für Anstoß sorgte

after a parent complained that the diary contained explicit sexual content inappropriate for an eighth grade readership. “While these pages could be the basis of a relevant discussion,” remarked school superintendent Bobbi Johnson, “they do not reflect the purpose of studying the book at the middle-school level and could foster a discussion in a classroom that many would find inappropriate.”

So beschreibt es das Blog Give A Fig (via); Textstelle des Anstoßes war wohl ein Eintrag zum 24. März 1944, in dem sich Anne Frank mit Form und Anatomie der Geschlechtsorgane (insbesondere ihrer eigenen) beschäftigt. Dies geschieht rein deskriptiv; der liebe M., dem ich diesen Hinweis verdanke, hat für mich freundlicherweise in seiner eigenen Ausgabe nachgesehen. Da steht zum Beispiel:

Ich würde Peter gern fragen, ob er weiß, wie ein Mädchen eigentlich aussieht. Ein Junge ist von unten, glaube ich, nicht so kompliziert gestaltet wie ein Mädchen. Auf Fotos und Abbildungen von nackten Männern kann man doch sehr gut sehen, wie die aussehen, aber bei Frauen nicht. Da sind die Geschlechtsteile oder wie das heißt mehr zwischen den Beinen. Er hat doch vermutlich noch nie ein Mädchen von so nahe gesehen, ehrlich gesagt, ich auch nicht.

Oder auch:

Bevor ich elf oder zwölf Jahre alt war, wußte ich nicht mal, daß es auch noch die inneren Schamlippen gab, die waren überhaupt nicht zu sehen. Und das Schönste war, daß ich dachte, der Urin käme aus dem Kitzler. Als ich Mutter einmal fragte, was dieser Stumpen bedeutet, sagte sie, daß sie das nicht wüßte. Die stellen sich immer so dumm! [...]

Von vorn siehst du, wenn du stehst, nur Haare. Zwischen den Beinen sind eine Art Kissen, weiche Dinger, auch mit Haaren, die beim Stehen aneinanderliegen. Man kann das, was drinnen ist, dann nicht sehen. Wenn du dich setzt, spalten sie sich auseinander, und innen sieht es sehr rot und häßlich fleischig aus. Am oberen Teil, zwischen den großen Schamlippen, ist eine Hautfalte, die bei näherer Betrachtung eigentlich eine Art Bläschen ist. Das ist der Kitzler.

Ich möchte hier nicht die ganze Stelle zitieren, finde aber wenig darin, daß in mir moralische Entrüstung hervorruft – eher noch das Bedürfnis, Kinder auch mal einen Blick in meinen Anatomieatlas werfen zu lassen, damit sie nicht allzu seltsame Vorstellungen entwickeln.

Der liebe M. verweist noch auf deutliche stilistische Unterschiede in den Übersetzungen ins Deutsche und Englische – sind vielleicht des Niederländischen mächtige Menschen anwesend, die zum Original Auskunft geben könnten? Wo kommt zum Beispiel oben das “häßlich” her? Hier ist zum Vergleich der letzte oben zitierte Absatz noch in der englischen Übersetzung:

When you’re standing up, all you see from the front is hair. Between your legs there are two soft, cushiony things, also covered with hair, which press together when you’re standing, so you can’t see what’s inside. They separate when you sit down and they’re very red and quite fleshy on the inside. In the upper part, between the outer labia, there’s a fold of skin that, on second thought, looks like a kind of blister. That’s the clitoris…


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Frauenquote bedroht Männerkarrieren

Ich habe die Überschrift dieses Textes einfach mal geklaut, denn präziser kann man kaum zusammenfassen, mit welchen Befürchtungen sich der genau so betitelte Text von Cornelia Schmergal und Manfred Engeser aus der WirtschaftsWoche (von der Zeit übernommen) so trägt und herumschlägt.

Der Tenor dabei ist: Nur durch die ja sehr vage Androhung einer gesetzlichen Frauenquote (die im Text bizarrerweise als “oberste Bundesfrauenbeauftragte” bezeichnete Bundesministerin Schröder ist ja nun nicht dafür bekannt, daß sie diese Quote wirklich unbedingt wollen würde) schon würden mehr und mehr Unternehmen eine offizielle oder inoffizielle Quote einführen; die vermehrte Einstellung von Frauen in Führungspositionen (oder in dorthin führenden Posten) schmälere aber die bisher recht sicher geglaubten Aufstiegschancen der Männer.

Das ist natürlich für niemanden überraschend, der sich schon einmal eine Handvoll Gedanken darüber gemacht hat, was für Folgen eine gleichberechtigte Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsgeschehen haben könnte. Irritierend ist aber doch, wieviel Gejammer über Ungerechtigkeit der Artikel enthält. Als sei der bisherige Umgang mit dem geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen besser, bei dem man schöne Sonntagsreden hält, Absichtserklärungen formuliert und zu Bewerbungen auffordert, nur um dann doch tendenziell mehr Männer nach oben zu befördern und die Schuld bei den angeblich persönlichen, privaten und natürlich nicht über-individuellen Lebensentscheidungen und Verhaltensweisen der Frauen zu suchen.

Anders gefragt: Ist es wirklich besser, ein System unterschwelliger, aber offensichtlicher Diskriminierung fortzuschreiben, dessen Wirksamkeit sich überall statistisch nachweisen läßt, als eine Quote einzuführen, deren Ziel es nur sein kann, sich auf lange Frist selbst überflüssig zu machen, und die in Einzelfällen auch mal Männer benachteiligt? Natürlich mag es sein, daß die betroffenen Männer konkret nichts dafür können, daß sie ein Y-Chromosom haben, wie Schröder das formuliert; aber die bisher diskriminerten Frauen können für ihren Mangel desselben ja ebensowenig etwas.

Daß also auf Listen mit Besetzungsvorschlägen das eigene Geschlecht nur mit “Alibi-Funktion” aufgelistet wird, auch die “Machtlosigkeit” beim beruflichen Vorüberziehen der Menschen des jeweils anderen Geschlechts, die in dem Artikel für bedauernswerte Männer beschrieben wird, das alles kennen Frauen also nur allzugut. Und wir sollten vielleicht ab und zu (uns) daran erinnern, daß im Zweifelsfall immer wieder andere Leute uns beruflich und finanziell überflügeln – beiderlei Geschlechts, in den allermeisten Fällen aber immer noch Männer.

Wenn ein Unternehmen allerdings, wie es in dem Artikel als geradezu Standardfall wiedergegeben wird, eine Frau einstellt oder befördert, einfach weil dies ob der drohenden Quote sein muß und obwohl es klar und deutlich fachlich besser geeignete Männer für den Job gibt – dann ist es schon selbst schuld. Die Quote mag dann im Einzelfall allerdings womöglich auch dafür gut sein, den Personalchef_innen deutlich zu machen, daß womöglich ihre Einschätzungen dessen, wer qualifiziert sei und wer nicht, geschlechtergerecht anpassen sollten. Wer weiß, vielleicht erleben wir mit der Quote noch so einige Überraschungen.


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Reposted byzweisatzregenmaedchenStadtgespenst

April 04 2011

Sibylle Berg über die Frauenquote

Sibylle Berg fragt in ihrer Spiegel Online-Kolumne, ob es die Frauen wirklich ohne Frauenquote schaffen können, wollen, dürfen:

Randgruppe murmeln Sie, ha, wir sind die Hälfte der Welt. Sicher, die Frauen sind die Hälfte der Welt, in der Schweiz durften sie bereits in den siebziger Jahren wählen, in der Werbung bekommen sie gezeigt, dass sie ständig auslaufen, aussuppen, riechen, schmutzig sind, Binden brauchen, unbedingt Binden, weil sie verdammt noch mal nicht perfekt sind. Sie sind Angehörige einer Randgruppe, Männer diskutieren über die Frauenfrage.

Bitte hier ganz lesen…

(Und hier gab es von ihr schon mal ein wenig Scharfes zum Selbstbild von Frauen.)


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March 31 2011

Mary Roach: 10 things you didn’t know about orgasm

Die Journalistin und Autorin Mary Roach spricht auf der TED2009-Konferenz (Februar 2009 in Long Beach, Kalifornien) über 10 Dinge, die sie während der Recherchen zu ihrem Buch Bonk über Orgasmen gelernt hat. Stellenweise ist das sehr lustig, aber auf jeden Fall nur für Erwachsene. :-)

(via)


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March 10 2011

The Brontë Sisters Power Dolls

Quite hilarious, my dear.

(via)


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March 08 2011

Jane Bond

(Danke, Kirsten!)


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Zum 100. Frauentag

Zum 100. Internationalen Frauentag – der zugleich auch Feminist Coming Out Day ist (und 6. Geburtstag des Genderblog) – gibt es vielerlei Kluges und Wichtiges zu sagen, das aber auch im Rest des Jahres Platz finden sollte. Und so feiern wir einfach mit diesem kleinen, klaren Statement einer Fünfjährigen:

(via; Fortsetzung)

Der Kampf hat gerade erst begonnen.


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January 21 2011

Feminist Coming Out Day 2011

8. März 2011. (via)


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January 10 2011

Amber Heard: “Those who believe …”

Für ihr Projekt I = YOU hat die Künstlerin Tasya Van Ree diesen kurzen Film mit der Schauspielerin Amber Heard aufgenommen, die vor allen Freund_innen des Horrorfilms seit ihren Rollen in All the Boys Love Mandy Lane, The Stepfather, And Soon the Darkness und John Carpenters The Ward ein Begriff ist und die sich im vergangenen Monat geoutet hatte.

(via)


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December 23 2010

Es ist ein Mädchen!

Frohe Weihnachtstage, alle miteinander!

(via)


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December 16 2010

Frauen günstig zu haben!

Schöner Werbespot zum Thema des Equal Pay Days.

(via @lantzschi)


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December 14 2010

Beleidigung für Vergewaltigungsopfer

Naomi Wolf beschuldigt Schweden und Großbritannien, im Fall der Vergewaltigungsvorwürfe gegen Julian Assange mit doppelten Standards zu hantieren:

if you ever want anyone to take sex crime against you seriously, you had better be sure the man you accuse of wrongdoing has also happened to embarrass the most powerful government on earth.

Eine furiose Wutschrift, die die Lektüre unbedingt wert ist. Hintergründe, von Jessica Valenti zusammengefaßt, zum Beispiel hier und vor allem hier.

(via, via, via)


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December 03 2010

Trans, Inter oder Queer?

Über die Vielfalt im Geschlechtersystem – Ein Film von Anja Schaub.

(via)


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December 02 2010

Wenn die Idee dich berührt, …

… daß hier vielleicht, ganz vielleicht nur, die Geschlechterbilder doch ein wenig altbacken-patriarchal sind, hast du wohl recht. Der Mann hat die Idee, die Frau repräsentiert sie bloß. Die Frau leuchtet ätherisch-weiß, der Mann hat den Blaumann/die Hosen an. Etc.

(Gefunden in der Süddeutschen Zeitung.)


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