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December 17 2012

Der Feminismus und die Amokläufer

Mir reicht’s. (Wieder mal.) Ich hab die Nase voll von diesem Geseiere, diesen jammernden Selbstbeweihräucherungen, diesem verlogenen Weltreduzierungspathos. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich nicht für meine Geschlechtsgenossen schäme, und ich tue es aus freier Entscheidung, mit Hingabe und intellektueller Ernsthaftigkeit.

Und steigender Wut. Diese extremistischen Männerhorden, seien sie rechtsradikal, jüdisch-orthodox oder islamistisch oder was sonst noch: sie erzeugen durch die Bank Brechreiz in mir, wie jede nach Uniformität und Gleichschaltung strebende Ansammlung hirntoter Floskeln von Ruhm, Ehre und Bereitschaft, in den Tod zu gehen. All diese Idioten mit ihrer lebensverachtenden Negierung von allem, was gut, schön und lebens- wie liebenswert ist. Ach, wie viel ich kotzen könnte, passt ja doch auf kein Frühstücksbuffet.

Und jetzt ist also wieder der Feminismus, sind die bösen Weiblichkeiten daran schuld, dass in Amerika zwanzig kleine Kinder ihr Leben lassen mussten. Das schreibt Walter Hollstein, und der Berliner Tagesspiegel entblödet sich nicht, solchem Gedankenreduktionismus auch noch Platz zu bieten. Weil Schulen Tatorte von Amoklaufen waren und die Täter allesamt Männer, schließt Hollstein daraus messerstumpf: „Schule ist für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden.“

Man muss nur kurz darüber nachdenken, dass Morde und Amokläufe auch anderswo stattfinden, um zu erkennen, dass dieser Satz keinerlei kausalen Boden unter den Gänsefüßchen hat. Aurora: „Kinos sind für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden.“ Ein Einkaufszentrum, auch erst ein paar Tage her: „Shopping Malls sind für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden.“ Das ist doch gefährlicher geistiger Dünnpfiff, dafür hat er wohl auch noch Honorar bekommen?

Aber weil Hollstein anscheinend nur ein Thema kennt, wird halt passend gemacht, was ihm so einfällt: Das muss natürlich sein, dieses Zusammentreffen von Schule und Gewalt aus der Hand eines jungen Mannes, weil in den Schulen die Frauen das Sagen haben, denn: „Jungen wachsen heute in einem engen Frauenkäfig von Müttern, Omas, Tanten, Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen auf.“ (Dass in den Einkaufszentren und Kinos Frauen das Sagen hätten, will das auch jemand behaupten?)

Ohne einen Gedanken darauf zu verschwenden (ach, von Gedanken kann hier ja im eigentlichen Sinne eh nicht die Rede sein), warum da eigentlich keine Männer in dieser Kinderwelt auftauchen – sind die alle weggesperrt? Werden junge Männer beim Versuch, sich erziehend betätigen zu wollen, ohne Vorwarnung erschossen? Hat der Weltfeminismus ganz generell die Beteiligung von Vätern am Leben ihrer Kinder verboten? Und warum weiß ich dann davon noch nichts? – faselt Hollstein dann ein bisschen selektiv vor sich hin, dass vage vermutete weibliche Werte in Schule und Erziehungssystem irgendwie dafür sorgen, dass die Jungen von heute nicht mehr richtige Jungen sein können und deshalb unglücklich sind, ADHS kriegen und irgendwann mit Waffengewalt auf Mütter, Kinder und Marsmännchen losgehen. Okay, die Marsmännchen habe ich mir ausgedacht, aber Hollstein sich den Rest ja auch.

Wie ahistorisch ist dieser Blick eigentlich? Bis vor hundert Jahren waren Schulen nahezu ausschließlich männlich geprägt – Lehrer, Erzieher, Psychologen, all das waren seinerzeit Männer, und sind deshalb die wenigen Mädchen, die zur Schule gehen durften, mordende Psychopathinnen geworden? Und ist es nicht auch so, dass schon seit geraumer Zeit – nennen wir es mal: seit Beginn der Aufzeichnungen zu diesem Thema, also geschätzt seit dem Beginn der Geschichtsschreibung – es immer Männer waren, die weltweit den Großteil der physischen Gewalttaten verübt haben? Also auch schon lange bevor der Feminismus zu jener alles umfassenden Krake geworden sein könnte, die Hollstein und seine Glaubensgenossen sich da zusammenphantasieren?

In diesem schönen Video stellt Eric Anderson (ab ca. 6:10) fest, dass alle Welt sich fragen würde, was mit den Frauen los wäre, wenn sie auf einmal ähnlich gewalttätig würden, wie wir es von (vor allem heterosexuellen) Männern längst gewohnt sind (via Batz):

Für Hollstein ist das anscheinend kein Problem, sehr wohl aber, wenn Jungen „im Fach Deutsch Bienengeschichten lesen, im Kunstunterricht Schmetterlinge malen und beim Sport Schleiertänze aufführen“ müssen. Echt jetzt? Schmetterlinge, Bienen und Schleier machen aus Jungs unaufmerksame Schulversager und Amokläufer? So ein Glück, endlich haben die Armeen der Welt einen Weg gefunden, um die ultimativen, gnadenlosen Killer auszubilden: Schleiertanz in der Turnhalle zu Schmetterlingsmusik!

In Wahrheit sind das nur die armseligen Meinungen eines Menschen, der sich partout nicht vorstellen kann, dass ein Leben vielleicht sogar vollständiger sein kann als seine eigene mickrige Vorstellung von Männlichkeit. Dass ein junger Mensch, Mann, Junge womöglich stark und sensibel sein kann, Bienen und Actionfilme mögen, sich rangeln und kuscheln. Wie halt seine Schwestern und Freundinnen auch.

Wollen wir das echt? Wollen wir, dass solche Männer mit ihrem reduzierten, völlig lebensfremd eindimensionalen Verständnis von Geschlechtlichkeit und damit auch von Menschlichkeit die Diskussion darüber bestimmen und leiten, wie wir unsere Kinder erziehen wollen? Wollen wir ernsthaft das Glück unserer Kinder dadurch begrenzen, dass wir ihnen veraltete, einengende Korsette umzwingen, anstatt mit ihnen gemeinsam die Möglichkeiten zu entdecken, die sich aus fluideren Geschlechterbildern ergeben? Was, zum verfickten Teufel, ist so beschissen schlecht daran, dass Jungs auch mal schwach und Mädchen auch mal stark sein dürfen, Jungs strebsam und Mädchen bolzend?

Für Hollstein ist die große Gefahr die Orientierungslosigkeit und damit verbundene Überlastung: Es gebe keine „allgemeingültige[] Bilder[] von Männlichkeit“ mehr, „wie das früher der Fall war. Stattdessen müssen sie sich allein zurechtfinden – nicht zuletzt, weil das die männliche Rolle von ihnen verlangt.“ Und zugleich ist da der Leistungsdruck, zitiert Hollstein eine Studie (vermutlich diese): „Sie sollen Frauenversteher, durchtrainierte Machos, Kinderwagen schiebender Papa und Karrieretyp sein. Das Dilemma ist: Egal, für welche Rolle sie sich entscheiden: der Erfolg ist ihnen nicht garantiert“.

Und wieder stellt sich Hollstein ein Bein mit seiner ahistorischen Perspektive – denn war es wirklich je so, dass Männlichkeit (oder Weiblichkeit) je so eine einfache, geradlinige Sache gewesen wäre? Und glaubt er wirklich der nostalgisch-patriarchalen Wunschphantasie, dass den Männern früher der Erfolg garantiert gewesen sei? Die gerade an den Anforderungen ihrer „Männlichkeit“ gescheiterten Menschen sind Legion – und es sind eben Leute wie Hollstein mit ihren archaischen Männlichkeits- und Menschlichkeitsvorstellungen, die solche Bilder und Erfolgserwartungen zementieren.

Dahinter schwebt natürlich die Vorstellung einer angeblichen alle gesellschaftlichen Strukturen durchsetzenden Weiblichkeit, der die Männer mit ihrem wahren Wesen unterworfen sind. In einem anderen Text Ende September hat Hollstein das so umschrieben: „In der Geschlechterrevolution der späten Sechzigerjahre wurde der gesamte zwischenmenschliche Bereich von Frauen umgedeutet und inhaltlich neu gefüllt.“ Das ist begrifflich so vage, wie es inhaltlich nur von verschwörungstheoretischem Gebrubbel aufgeblasen gehalten wird.

Der genannte Text, im September 2012 in der Aargauer Zeitung erschienen (Quelle, der Text als Word-Datei), enthält im Übrigen, obwohl es um etwas inhaltlich anderes geht, schon nahezu wortgleich die gleichen Argumentationsversatzstücke, den Verweis auf die Bienengeschichten und die Sinus-Studie, die womöglich auch nur dieses eine Zitat zur Situation männlicher Jugendlicher hergibt. Was Hollstein von sich gibt, sind also wirklich nur Fetzen eines durch unhinterfragte Meinungen zusammengehaltenen Luftschlosses von Vorurteilen und Hass.

Die Ironie der Haltung Hollsteins liegt ja darin, dass sie alles andere als aufrecht, stolz und weltgegerbt daherkommt, was man früher mannhaft nannte: es ist eine weinerliche, unerwachsene Trotzreaktion darob, dass die Welt sich entwickelt und dabei nicht fortwährend nett zu ihm und den ach so leidenden Männern ist, deren Geschlechtsgenossen seltsamerweise immer noch die Spitzenpositionen weitgehend unter sich ausmachen. Immer sind die anderen schuld, fast immer die Frauen und vor allem die bösen, bösen Feministinnen; und die Weltsicht ist dann so beschränkt, dass man in allem nur diese eine Ursache am Werke sieht.

Das reduziert die Welt in intellektuell unredlicher Weise auf einen einzigen Zusammenhang, und das ist verschwörungstheoretisch, also vor allem: gedankenfaul. Zu träge, um einen originellen Gedanken zu fassen, zu unerwachsen, um auch nur ein bißchen Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen und zu desinteressiert, um die Welt und die Menschen so zu nehmen, wie sie sind: Schön, hässlich, furchtbar, wunderbar, liebevoll, hasserfüllt, sehnsüchtig, enttäuscht, weiblich, männlich, und immer auch alles dazwischen. Widersprüchlich und komplex vor allen Dingen.

Wenn ich mir etwas für Kinder wünsche, dann dies: dass sie diese Welt in ihrer unendlichen Fülle erleben, kosten und durchdringen können. Und dass ihnen möglichst wenige Menschen wie Walter Hollstein dabei begegnen.


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June 01 2011

Gut in Schuss

Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Männer hat bei den letzten Weltmeisterschaften jeweils einen dritten Platz erreicht und bestimmte das mediale, politische und symbolische Leben in diesem Land. Dagegen kickte die Nationalmannschaft der Frauen (“Mannschaft der Frauen” – sic!) quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit – trotz der beiden WM-Titel in Folge. Doch jetzt wird alles anders! Denn seit gestern sind erstmals Panini-Sammelalben zu einer Frauen-WM im Handel. Zur Erinnerung: Diese Alben mit den Bildchen zum Sammeln und Kleben begleiten die Männer-WMs seit 1970. 1970: In diesem Jahr wurde es Frauen in der BRD offiziell erlaubt, Fußball zu spielen. 1955 hatte dies der DFB noch ausdrücklich verboten, Fußballspielen sei gegen die weibliche Natur.

Panini Deutschland-Kader WM2011

Bildquelle: Panini

Seitdem hat sich einiges getan: 1982 fand das erste Länderspiel der Frauen gegen die Schweiz statt (Endstand 5:1) und seit 2010 gibt es eine Tipp-Kick-Variante mit weiblichen Figuren. Nachdem es 70 Jahre nur mit Männern funktioniert hat. Und noch eine Premiere: Die Trikots einer Nationalmannschaft können die Fans schon lange kaufen, auch an weibliche Schnitte zu den Männer-WMs wurde gedacht. Und nun gibt es auch männliche Schnitte zu den Frauen-Trikots! Famos.

Und warum all das? Der Erfolg der Spielerinnen? Fortschreitende Gleichberechtigung? Nein, die Spielerinnen werden endlich schön. Ach ja.


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May 18 2011

Doku: The Perfect Vagina

Ein 2009 gedrehter Dokumentarfilm von Lisa Rogers und Heather Leach über den Trend, daß immer mehr britische Frauen sich ihre Vagina operativ “verschönern” lassen. (Hier ist ein Artikel im britischen Guardian zu dem Film mit mehr Hintergrundinfos.)

Der Film ist in englischer Sprache und, wie man im Internet so sagt, NSFW – Not Safe For Work, also nicht dafür geeignet, daß man ihn sich in Kontexten ansieht, in denen anderer Leute moralischer oder ästhetische Grenzen berührt werden könnten. Es geht nämlich um Geschlechtsorgane.

(via)


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May 10 2011

“I wish they’d get over me.”

(von xkcd)


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May 03 2011

Frauenquote bedroht Männerkarrieren

Ich habe die Überschrift dieses Textes einfach mal geklaut, denn präziser kann man kaum zusammenfassen, mit welchen Befürchtungen sich der genau so betitelte Text von Cornelia Schmergal und Manfred Engeser aus der WirtschaftsWoche (von der Zeit übernommen) so trägt und herumschlägt.

Der Tenor dabei ist: Nur durch die ja sehr vage Androhung einer gesetzlichen Frauenquote (die im Text bizarrerweise als “oberste Bundesfrauenbeauftragte” bezeichnete Bundesministerin Schröder ist ja nun nicht dafür bekannt, daß sie diese Quote wirklich unbedingt wollen würde) schon würden mehr und mehr Unternehmen eine offizielle oder inoffizielle Quote einführen; die vermehrte Einstellung von Frauen in Führungspositionen (oder in dorthin führenden Posten) schmälere aber die bisher recht sicher geglaubten Aufstiegschancen der Männer.

Das ist natürlich für niemanden überraschend, der sich schon einmal eine Handvoll Gedanken darüber gemacht hat, was für Folgen eine gleichberechtigte Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsgeschehen haben könnte. Irritierend ist aber doch, wieviel Gejammer über Ungerechtigkeit der Artikel enthält. Als sei der bisherige Umgang mit dem geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen besser, bei dem man schöne Sonntagsreden hält, Absichtserklärungen formuliert und zu Bewerbungen auffordert, nur um dann doch tendenziell mehr Männer nach oben zu befördern und die Schuld bei den angeblich persönlichen, privaten und natürlich nicht über-individuellen Lebensentscheidungen und Verhaltensweisen der Frauen zu suchen.

Anders gefragt: Ist es wirklich besser, ein System unterschwelliger, aber offensichtlicher Diskriminierung fortzuschreiben, dessen Wirksamkeit sich überall statistisch nachweisen läßt, als eine Quote einzuführen, deren Ziel es nur sein kann, sich auf lange Frist selbst überflüssig zu machen, und die in Einzelfällen auch mal Männer benachteiligt? Natürlich mag es sein, daß die betroffenen Männer konkret nichts dafür können, daß sie ein Y-Chromosom haben, wie Schröder das formuliert; aber die bisher diskriminerten Frauen können für ihren Mangel desselben ja ebensowenig etwas.

Daß also auf Listen mit Besetzungsvorschlägen das eigene Geschlecht nur mit “Alibi-Funktion” aufgelistet wird, auch die “Machtlosigkeit” beim beruflichen Vorüberziehen der Menschen des jeweils anderen Geschlechts, die in dem Artikel für bedauernswerte Männer beschrieben wird, das alles kennen Frauen also nur allzugut. Und wir sollten vielleicht ab und zu (uns) daran erinnern, daß im Zweifelsfall immer wieder andere Leute uns beruflich und finanziell überflügeln – beiderlei Geschlechts, in den allermeisten Fällen aber immer noch Männer.

Wenn ein Unternehmen allerdings, wie es in dem Artikel als geradezu Standardfall wiedergegeben wird, eine Frau einstellt oder befördert, einfach weil dies ob der drohenden Quote sein muß und obwohl es klar und deutlich fachlich besser geeignete Männer für den Job gibt – dann ist es schon selbst schuld. Die Quote mag dann im Einzelfall allerdings womöglich auch dafür gut sein, den Personalchef_innen deutlich zu machen, daß womöglich ihre Einschätzungen dessen, wer qualifiziert sei und wer nicht, geschlechtergerecht anpassen sollten. Wer weiß, vielleicht erleben wir mit der Quote noch so einige Überraschungen.


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Reposted byStadtgespenstzweisatzregenmaedchen

April 04 2011

Sibylle Berg über die Frauenquote

Sibylle Berg fragt in ihrer Spiegel Online-Kolumne, ob es die Frauen wirklich ohne Frauenquote schaffen können, wollen, dürfen:

Randgruppe murmeln Sie, ha, wir sind die Hälfte der Welt. Sicher, die Frauen sind die Hälfte der Welt, in der Schweiz durften sie bereits in den siebziger Jahren wählen, in der Werbung bekommen sie gezeigt, dass sie ständig auslaufen, aussuppen, riechen, schmutzig sind, Binden brauchen, unbedingt Binden, weil sie verdammt noch mal nicht perfekt sind. Sie sind Angehörige einer Randgruppe, Männer diskutieren über die Frauenfrage.

Bitte hier ganz lesen…

(Und hier gab es von ihr schon mal ein wenig Scharfes zum Selbstbild von Frauen.)


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March 08 2011

Jane Bond

(Danke, Kirsten!)


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December 14 2010

Beleidigung für Vergewaltigungsopfer

Naomi Wolf beschuldigt Schweden und Großbritannien, im Fall der Vergewaltigungsvorwürfe gegen Julian Assange mit doppelten Standards zu hantieren:

if you ever want anyone to take sex crime against you seriously, you had better be sure the man you accuse of wrongdoing has also happened to embarrass the most powerful government on earth.

Eine furiose Wutschrift, die die Lektüre unbedingt wert ist. Hintergründe, von Jessica Valenti zusammengefaßt, zum Beispiel hier und vor allem hier.

(via, via, via)


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December 02 2010

Wenn die Idee dich berührt, …

… daß hier vielleicht, ganz vielleicht nur, die Geschlechterbilder doch ein wenig altbacken-patriarchal sind, hast du wohl recht. Der Mann hat die Idee, die Frau repräsentiert sie bloß. Die Frau leuchtet ätherisch-weiß, der Mann hat den Blaumann/die Hosen an. Etc.

(Gefunden in der Süddeutschen Zeitung.)


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November 30 2010

Ihr habt nur den falschen Partner

Also, liebe Frauen, wenn Ihr nicht richtig Karriere gemacht bekommt, obwohl Ihr eigentlich besser seid als die Männer, dann liegt das daran… daß Ihr Euch den falschen Mann ausgesucht habt. So einfach ist das. (Lesben: Ihr seid da irgendwie nicht mit gemeint.)

So oder so ähnlich muß man sich jedenfalls die Welt aus den Augen von Uli Dönch vorstellen, Redakteur beim Focus. In seinem Kommentar “Frauen im Karriereloch? Selbst schuld!“, der Kopfzeile nach eigentlich mit dem Thema “Frauenquote” beschäftigt, hakt er dieselbe innerhalb der ersten paar Zeilen ab. Warum kommen die Frauen schließlich nicht so recht an die Vorstandsposten?

Die dem Zeitgeist angepasste Antwort wäre: Schuld sind die bösen Männern, die es niemals zulassen, dass die Kollegin an ihnen vorbeizieht. Und dagegen hilft eben nur Zwang. Sprich: die Frauen-Quote.

Aber die hilft natürlich nicht:

Diese Erklärung ist nicht nur feige. Sondern auch falsch. Wer das Phänomen verstehen will, muss tiefer graben. Woran liegt es also wirklich, dass Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten derart unterrepräsentiert sind?

Wohlgemerkt, das ist alles, was der Text an Auseinandersetzung mit dem Instrument der Frauenquote auf die intellektuelle Waagschale werfen darf, da argumentiert sogar Kristina Schröder noch differenzierter. Fragen wir einfach mal nach: Von welchem Zeitgeist ist die Rede? Wo spricht der von bösen Männern? Und warum hat die Telekom dann trotzdem eine Frauenquote eingeführt? Glauben die auch, daß ihre Männer in Führungspositionen alle böse sind, und haben sich dann eben diese Männer für eine feige (feige! Mir wird ganz blümerant!) Lösung entschieden, weil ihre Frauen daheim ihnen mit dem Nudelholz gedroht haben?

Ganz im Ernst: Nur sehr, sehr langsame Gemüter glauben heute noch, daß in den männerbündischen Vorständen aller Unternehmen ausschließlich böse Frauenfeinde regieren (obwohl diese dort so oft vorkommen mögen wie im Rest der Gesellschaft ja auch noch). Aber mindestens die Telekom hat begriffen, daß Strukturen dazu neigen, sich selbst zu reproduzieren, und daß man den Frauenanteil unter den Führungskräften am einfachsten dadurch erhöht, daß man einen bestimmten Anteil von Stellen festschreibt, der mit Frauen zu besetzen sei. Herrgott, sogar die CSU hat inzwischen eine Quote!

Aber Herr Dönch ist wohl zu faul oder zu bequem, sich mit möglicherweise komplexen Fragen zu belasten: Er nimmt sich einen behaupteten Popanz und sagt dann: Feige! Doof! Falsch! Unterkomplex! Und dann macht er einen karrieretheoretischen Dreisprung: Frauen wollen nicht, ihre Männer wollen nicht, weil: die Frauen sich leider den falschen Mann ausgesucht haben. (Wie gesagt: homosexuelle Frauen, ihr seid hier nicht mitgemeint.)

Ich möchte jetzt mal behaupten: Die Erkenntnis, daß man eine “70-Stunden-Tretmühle” als Lebensentwurf nur machen kann, wenn die/der Partner_in “seine Karriere der beruflichen Laufbahn seiner weitaus begabteren Partnerin unterordnet” bzw. des Partners – und warum eigentlich weitaus begabter? – ist so neu ja nun nicht, früher war diese Unterordnung ja normal, man nennt es Versorgerehe, mit Begabung hat es allerdings nicht so viel zu tun. (Früher hatte es vor allem mit Geschlecht zu tun, aber diese historische Dimension packe ich jetzt nicht in aller Größe aus.)

Zur Argumentation wird wieder einmal von “Alpha-Frauen” und “Alpha-Männern” geredet, mit Begriffen also aus der evolutionsbiologistischen Buddelkiste – aber kein Gedanke wird darauf verschwendet, ob eine “70-Stunden-Tretmühle” sinnvoll ist, wünschens- oder lebenswert; ob nicht vielleicht die Selbstverständlichkeit, mit der offenbar männliche Führungskräfte nur Beta- bis Gamma-Weibchen ehelichen (oder ihre Frauen dazu machen) das eigentliche Problem sein könnte, und wie es sich eigentlich mit diesem komischen Ding verhält, das ich manchmal im Scherz gleichberechtigte Partnerschaft nenne. (Katrin hat sich bei der Mädchenmannschaft dazu ein paar ausführlichere Gedanken gemacht.)

Aber ein glückliches Leben ist bei Dönch überhaupt kein Punkt der Argumentationskette. Stattdessen gibt es den Rat an die Frauen, bei der Wahl ihrer Partner doch genauer auf die eigenen Berufsaussichten zu schauen:

Der erste Rat geht an die karrierebewusste Frau: Sie sollte sich mehr Gedanken darüber machen, wen sie zu ihrem Partner wählt. Am besten jemanden, „der in seiner geistigen Kapazität zu ihr passt, der aber glücklich darüber ist, sie bei ihrem beruflichen Aufstieg unterstützen zu können“ (Kellaway).

Vielleicht bin ich für solche kapitalistische Durchdringung der emotionalen Verhältnisse einfach nicht empfänglich genug (obwohl diese natürlich sowieso stattfindet; Eva Illouz kann dazu eine Menge erzählen), aber jedenfalls bekommt der abschließende Rat an die Männer, den Dönch noch parat hat, für mich dadurch einen seltsamen Beigeschmack, obwohl ich ihn grundsätzlich und in der jetzt hier zitierten Reinform sogar nicht falsch finde:

Wer das Glück hat, eine solch tolle Partnerin durchs Leben begleiten zu dürfen, sollte selbstverständlich bei seiner eigenen Karriere zurückstecken.

Aber vielleicht ginge es eben auch alles gemeinsam. Und vielleicht ist “Karriere” auch kein Wert an sich.

@tristessedeluxe sieht übrigens ganz klar, wie man bei der Partner_innenwahl wirklich gewichten sollte. (Den Ironiemarker muß ich dazu nicht setzen, oder, den versteht Ihr auch so?)

so ein Quatsch! Menschen sollten ihre Partner_innen danach aussuchen, ob sie zu ihren Autos passen.


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November 26 2010

Re: Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Antje Schrupp trifft, wie so oft, den Nagel präzise dort, wo’s weh tut:

Kurz und gut: Es gibt keine „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Und das liegt nicht an zu wenig Kinderkrippen oder Teilzeitstellen oder Umverteilung der Familienarbeit – auch wenn gar nichts dagegen spricht, dass wir all das haben.

Aber die Ursache des Problems ist nicht, dass es Kinder gibt, die Arbeit machen und Aufmerksamkeit brauchen. Sondern dass es für diesen Lebensbereich keinen Platz im „normalen“ Berufsalltag gibt. Der durchschnittliche Arbeitsplatz ist immer noch so konzipiert, als wären wir alle kleine Patriarchen, die zuhause eine Ehefrau haben, die dafür sorgt, dass die Kinder nicht stören und keine Arbeit machen.

Bitte ganz lesen. Am Rande geht es dabei zum Beispiel auch um Andrea Nahles. Und um mein Leben sowieso.


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November 05 2010

Hart aber unfair

Juliane Wiedermeier sieht sich die de-facto-Frauenquote bei hart aber fair an (anläßlich der Sendung Quoten, Krippen oder Ellbogen – was brauchen Frauen zum Erfolg? zum “Weltmännertag”) und nebenbei auch einen Tweet der Bundesfamilienministerin – und schließt treffend:

Womit ich sagen will: “Hart aber fair” soll nicht über Gleichberechtigung reden, sondern gleichberechtig einladen. Und unsere Bundesfrauenrechtlerin soll aufhören, so zu tun, als sei sie ein kleines Mädchen, das man besser nicht alleine mit fremden Männern sprechen lässt. Oder solchen, die sie nur aus diversen Talkshows kennt.

(via)


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October 25 2010

Panik im evangelischen Patriarchat

Merke: Es ist erst einmal als Kompliment zu werten, wenn ein männliches Oberhaupt seine Domäne durch Frauen gefährdet sieht. Wem die Felle schwimmen, reagiert zerknittert. Was sich allerdings der evangelische Theologe Friedrich Wilhelm Graf da auf einer Tagung in Dresden als Begründung für seine Angst ausgedacht hat, ist mit Sorge zu betrachten. Deutschlandradio Kultur hat Folgendes bei seiner Rede mitgeschrieben:

Evangelische Theologiestundenten seien zumeist weiblich und eher ‘Muttityp als wirklich intellektuell’… Sie verbänden zumeist eher schlichte Gedanken mit der Vorstellung von einem ‘Kuschelgott’. Das sei auf Dauer eine bedrohliche Entwicklung für die evangelische Theologie, sagte Graf.


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September 20 2010

Her mit den gebärfreudigen Katholik_innen!

Wäre ich gläubiger, praktizierender Katholik, wäre ich wohl ziemlich beleidigt von der hirnentledigten Art und Weise, wie Wolfgang Böhmer diese Religionsgemeinschaft in die Sarrazin-Integrations-Deppendebatte hineinzieht:

Deutschland sei auf Zuwanderung aus Gegenden angewiesen, in denen es noch zum Lebensverständnis gehöre, Kinder zu bekommen. Dabei denke er vor allem an sehr katholische Regionen, betonte Böhmer.

Welche Regionen das sein könnten, läßt Böhmer freilich offen. Immerhin spricht er damit nach Meinung vieler genau die richtige Bevölkerungsgruppe an.

(Meldung via; Video via)


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September 06 2010

Wer wo aufs Klo

Toiletten und Geschlechter-Piktogramme waren hier schon zuweilen Thema, aber Marissa vom Blog This Is Hysteria! hat sich jetzt besondere Verdienste erworben.

Ihre großartige, riesige Sammlung von Toilettentürschildern ist umfassend (wenn auch sicherlich alles andere als vollständig), umwerfend komisch und unbedingt sehenswert.


(via @moeffju)

(Update: Weitergehende Gedanken zum Thema gab’s übrigens auch schonmal im Mädchenblog: “Von den Schwierigkeiten des Erleichterns”via)


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July 06 2010

“Selber schuld”?

Daß es bemerkenswerte Unterschiede zwischen den Gehältern von Männern und Frauen auch dann gibt, wenn man ähnliche Ausbildungs- und Lebenssituationen nebeneinander stellt, war hier ja bereits öfter Thema – zuletzt am Equal Pay Day. Und natürlich gibt es da sehr unterschiedliche Lösungsansätze.

Nun gibt es laut der Süddeutschen Zeitung (und Spiegel Online et al.) zwei neue Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) (über deren mindestens eine das Mindener Tageblatt schon im Mai berichtet hatte), die allerdings nicht so aufregend sind, wie in den Meldungen behauptet – jedenfalls dann nicht, wenn man sich mit diesem Thema schon etwas eingehender beschäftigt hat.

Firmen sind am Entstehen niedriger Frauengehälter zwar stark beteiligt, was sich auch in ihrem Zögern zeigt, die Gehaltsunterschiede von sich aus zu verringern oder Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Beteiligt sind freilich auch Frauen, die sich mit weniger zufriedengeben als Männer. Der Eindruck, dass die Arbeit von Frauen weniger wert ist als die von Männern, ist offenbar in der gesamten deutschen Gesellschaft verbreitet: bei Männern und Frauen, bei Angestellten und Chefs.

Was sich daran zunächst vor allem zeigt, ist, wie durchdringend Vorstellungen von Ungleichheit zwischen den Geschlechtern – und sich daraus ergebenden Ungleichbehandlungen – im “Perpetuum Mobile Patriarchat” für uns alle sind. Wenn Mädchen allein deshalb schlechter in Mathematik abschneiden, weil man ihnen erklärt, daß sie als Mädchen schlechter in Mathematik seien, dann ist es nur konsequent, daß diese zu negative Selbsteinschätzung, gerade im Vergleich zu Männern, auch in anderen Bereichen ihren Widerhall findet.

Desweiteren wird auch deutlich, daß es offenbar in der gesellschaftlichen wie individuellen Wahrnehmung der Gehälter einen “Blinden Fleck” gibt, der uns genau diese Unterschiede in der Bezahlung nicht wahrnehmen läßt. Um das zu vermeiden, wäre es womöglich tatsächlich am sinnvollsten, größtmögliche Transparenz umzusetzen, um so die Unterschiede in den Gehältern von Männern und Frauen sichtbar zu machen – und damit angreifbar.

Die Mädchenmannschaft stellt zu den Texten übrigens noch eine ganze Menge weiterführender Fragen.

(Oh, und übrigens, sueddeutsche.de: Eure im Artikel verlinkte “Bildstrecke zum Thema” über “Frauen-Karrierekiller” hat mit dem Thema nur indirekt etwas zu tun, ist klischeehaft fotografiert und inhaltlich eher zweitklassig.)


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June 29 2010

Das Recht, eine Familie zu gründen

Wie queernews.at meldet, hat die ECSOL (European Commission on Sexual Orientation Law), eine Gruppe von Rechtsexpert_innen, die sich mit sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität im Kontext europäischen Rechts beschäftigt, in einem Newsletter auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte Bezug genommen.

Ohne daß ich selbst die Entscheidung des EGMR im Einzelnen kommentieren und bewerten könnte (und vor allem ohne daß ich auf den konkret verhandelten Fall eingehen wollte), lassen sich nach queernews.at daraus vor allem folgende Schlüsse ziehen:

Auch wenn derzeit die Mitgliedsstaaten der EU noch nicht daran gehindert werden können, über nationales Recht die Ehe nur heterosexuellen Paaren zu gestatten, so will der Gerichtshof Artikel 12 der Europäischen Menschenrechtskonvention (MRK) nicht weiterhin so verstanden wissen, daß die Ehe allein heterosexuellen Paaren offenstehen könne.

Entgegen seiner bisherigen Rechtsprechung, daß eine “Familie” stets auf der Grundlage einer heterosexuellen Partnerschaft entstehe, hat der EGMR außerdem jetzt entschieden (ich zitiere queernews.at)

dass angesichts der raschen Entwicklung der gesellschaftlichen Haltung zu gleichgeschlechtlichen Paaren eine solche künstliche Unterscheidung heute nicht mehr angebracht ist und dass die Beziehung der Antragsteller, eines gleichgeschlechtlichen Paares, das in einer stabilen De-Facto Partnerschaft zusammenlebt, ebenso unter den Begriff “Familie” fällt wie ein verschiedengeschlechtliches Paar in der gleichen Situation.

Mühsam ernährt sich natürlich das Eichhörnchen, und bis zu einer Gleichstellung ist es noch weit – von einer Integration radikalerer Konzepte jenseits der dichotomen Geschlechterordnung und der exklusiven Zweierbeziehung einmal ganz abgesehen. Aber langsam tut sich hier was im europäischen Recht.

(via)


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June 24 2010

Die erste… Premierministerin in Australien

Julia Gillard, bisher stellvertretende australische Regierungschefin, ist gestern wohl etwas überraschend Nachfolgerin von Kevin Rudd geworden, nachdem sie ihn zu einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz herausgefordert hatte.

Details hat die Deutsche Welle.

(via)


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June 22 2010

Auch ein schwuler Chor kann irren

Anmerkung des Herausgebers: Dieser Beitrag ist ursprünglich für eine andere Publikation entstanden, wurde uns aber freundlicherweise von der Autorin zur Publikation überlassen.

Die Vorstellung beginnt draußen vor der Volksbühne und hat eine Menge Schauspieler angelockt. Frauen, die Frauen spielen, und Frauen, die Männer spielen, und Männer, die irgendetwas dazwischen spielen. So richtig weiß man das nicht genau, und darauf haben es die überwiegend schwul-lesbischen Versammelten angelegt. Für sie sind Geschlechterrollen nämlich tatsächlich Rollen – einstudierbar, aufführbar, eine große Schau. Und wer in eine Rolle schlüpfen kann, der kann auch in eine andere schlüpfen, glauben sie. Und spielen.

Diejenige, die das mit dem Geschlecht und der Schauspielerei formuliert hat, übernimmt an diesem Abend die Hauptrolle: Judith Butler, amerikanische Philosophin an der Universität Berkeley und Mutter der sogenannten „Queer“-Forschung. Vor 20 Jahren gab sie mit ihrem Buch Das Unbehagen der Geschlechter der schwul-lesbischen Szene ihren theoretischen Unterbau. Seitdem wird sie unter sexuellen Minderheiten als Ikone gefeiert. Auch deshalb will man ihr am Folgetag auf dem Berliner Christopher Street Day (CSD) den Zivilcouragepreis verleihen. Sie wird ihn ablehnen. Das Event ist ihr zu „kommerziell“.

Den eigentlichen Grund kann man schon am Vorabend erahnen. In ihrem Vortrag über „Queere Bündnisse und Antikriegspolitik“ in der Volksbühne ruft Butler Schwule und Lesben dazu auf, gemeinsam mit anderen Minderheiten gegen Gewalt einzutreten anstatt nur für die eigene Sache auf die Straße zu gehen. „Ich weiß nicht, was queer-Sein heißt“, sagt sie. „Aber ich weiß, was es bedeutet, Teil einer Allianz zu sein, die unser Leben lebbarer macht.“ Sie erteilt damit all denen eine Absage, die versuchen, sie für irgendeine Ideologie einzuspannen. Denn auch ein CSD vergisst vor lauter Feierei manchmal, dass es Andersdenkende gibt. Für politisch wichtiger hält Butler etwa den „Transgenialen CSD“, der an diesem Wochenende in Kreuzberg stattfindet. Hier geht man gemeinsam mit Migranten auf die Straße, kämpft gegen die Diskriminierung verschiedener Minderheiten. Auf die Frage eines Zuhörers, warum sie einen Preis entgegennehmen würde, der Homosexualität als neue Normalität darstelle, antwortet sie schon am Freitag ausweichend: „Ich fürchte tatsächlich, das meine Theorien an Stärke verlieren, wenn sie institutionalisiert werden. Das mit dem Preis warten wir mal ab.“

Ihr Autritt ist brilliant. Das Publikum, das so sehr an Butlers Schauspiel-Thesen glaubt, folgt verzückt ihren Ausführungen zu Homophobie und dem Recht, seine Liebe offen ausdrücken zu dürfen. „Es ist eine Form von Freiheit, auf der Straße man selbst sein zu können“, sagt sie. Solange es eine „Gender-Polizei“ gebe, die vorschreibe, wer sichtbar sein dürfe und wer nicht, mache sich ein Staat kriminell. „Denn damit erklärt eine Gesellschaft bestimmte Menschen für wertvoll und andere für verzichtbar.“

Das ist klassischer Butler-Stoff. Denn ihre Philosophie erklärt, wie wichtig es ist, sich nicht gegen das Fremde abzuschotten, sondern es als Teil des eigenen Lebens anzuerkennen. „Wir sind aneinander gebunden, von Anfang an.“ Den Satz wiederholt die 54-Jährige immer wieder. Und mit jeder Wiederholung dreht er sich ein bisschen weiter, der Satz, bis er schließlich nicht mehr nur klassisches Geschlechterdenken, sondern auch homosexuellen Hochmut kritisiert – das wohlige „Wir“-Gefühl, das Schwule, Lesben, Trans- und Intersexuelle sich seit ihrem Unbehagen der Geschlechter geschaffen haben. Mit dem Zivilcouragepreis lehnt Butler daher vor allem einen Guru-Status ab. Er ist ihr sichtlich unbehaglich.

Früher am Abend, bevor Butler kam, haben sie in der Volksbühne Rene Pollesch gespielt: „Ein Chor irrt sich gewaltig“. Normalerweise ist man sich unter Schwulen und Lesben einig, dass mit dem „Chor“ eigentlich nur die heterosexuelle Mehrheit gemeint sein kann, die immer noch nicht verstanden hat, dass Frauen und Männer eigentlich nur ziemlich gute Kostüme tragen. Als die Zuhörer gegen Mitternacht den Saal verlassen, hat der Pollesch-Titel einen neuen Beigeschmack. Butler hat ihre Fans heute abend selbst zu Chormitgliedern erklärt. Eine ungewohnte Rolle. Aber was hilft es? Die Bühne, das wissen sie, ist überall.

(Ein anderer Bericht zum Abend in der Volksbühne findet sich hier, unten findet sich die Ansprache Butlers auf dem CSD als Video [via]. Weitere Anmerkungen zu Butler zum Beispiel bei Theorie als Praxis oder bei Antje Schrupp.)

Sarah Schaschek ist Doktorandin am Institut für Amerikanistik an der Universität Bonn und forscht zum Thema Pornografie und Serialität. Nach dem Studium der Kulturwissenschaften in Bonn und einem kleinen Ausreißer nach Potsdam für ein Zeitungs-Volontariat (wo das Thema Feminismus noch praktisch unbekannt war), brach sie letzten Sommer nach Berkeley auf, um sich ganz auf ihre Promotion zu konzentrieren. Aus dem Freidenkerstaat Kalifornien hat sie viele genderpolitische Ideen mitgebracht, die sie nun ungeniert zu verbreiten gedenkt.

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June 18 2010

Girls suck at video games

Ein kurzer Trickfilm von Stéphanie Mercier (Blog), dessen Titel mir zwar in seiner internen Erzähllogik nicht ganz überzeugend einleuchten will, der aber aus dem Konzept Videospiel eine Allegorie fürs wahre Leben zu machen sucht. Und da leider zu oft ins Schwarze trifft.

(via)


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Schweinderl