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May 03 2011

Frauenquote bedroht Männerkarrieren

Ich habe die Überschrift dieses Textes einfach mal geklaut, denn präziser kann man kaum zusammenfassen, mit welchen Befürchtungen sich der genau so betitelte Text von Cornelia Schmergal und Manfred Engeser aus der WirtschaftsWoche (von der Zeit übernommen) so trägt und herumschlägt.

Der Tenor dabei ist: Nur durch die ja sehr vage Androhung einer gesetzlichen Frauenquote (die im Text bizarrerweise als “oberste Bundesfrauenbeauftragte” bezeichnete Bundesministerin Schröder ist ja nun nicht dafür bekannt, daß sie diese Quote wirklich unbedingt wollen würde) schon würden mehr und mehr Unternehmen eine offizielle oder inoffizielle Quote einführen; die vermehrte Einstellung von Frauen in Führungspositionen (oder in dorthin führenden Posten) schmälere aber die bisher recht sicher geglaubten Aufstiegschancen der Männer.

Das ist natürlich für niemanden überraschend, der sich schon einmal eine Handvoll Gedanken darüber gemacht hat, was für Folgen eine gleichberechtigte Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsgeschehen haben könnte. Irritierend ist aber doch, wieviel Gejammer über Ungerechtigkeit der Artikel enthält. Als sei der bisherige Umgang mit dem geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen besser, bei dem man schöne Sonntagsreden hält, Absichtserklärungen formuliert und zu Bewerbungen auffordert, nur um dann doch tendenziell mehr Männer nach oben zu befördern und die Schuld bei den angeblich persönlichen, privaten und natürlich nicht über-individuellen Lebensentscheidungen und Verhaltensweisen der Frauen zu suchen.

Anders gefragt: Ist es wirklich besser, ein System unterschwelliger, aber offensichtlicher Diskriminierung fortzuschreiben, dessen Wirksamkeit sich überall statistisch nachweisen läßt, als eine Quote einzuführen, deren Ziel es nur sein kann, sich auf lange Frist selbst überflüssig zu machen, und die in Einzelfällen auch mal Männer benachteiligt? Natürlich mag es sein, daß die betroffenen Männer konkret nichts dafür können, daß sie ein Y-Chromosom haben, wie Schröder das formuliert; aber die bisher diskriminerten Frauen können für ihren Mangel desselben ja ebensowenig etwas.

Daß also auf Listen mit Besetzungsvorschlägen das eigene Geschlecht nur mit “Alibi-Funktion” aufgelistet wird, auch die “Machtlosigkeit” beim beruflichen Vorüberziehen der Menschen des jeweils anderen Geschlechts, die in dem Artikel für bedauernswerte Männer beschrieben wird, das alles kennen Frauen also nur allzugut. Und wir sollten vielleicht ab und zu (uns) daran erinnern, daß im Zweifelsfall immer wieder andere Leute uns beruflich und finanziell überflügeln – beiderlei Geschlechts, in den allermeisten Fällen aber immer noch Männer.

Wenn ein Unternehmen allerdings, wie es in dem Artikel als geradezu Standardfall wiedergegeben wird, eine Frau einstellt oder befördert, einfach weil dies ob der drohenden Quote sein muß und obwohl es klar und deutlich fachlich besser geeignete Männer für den Job gibt – dann ist es schon selbst schuld. Die Quote mag dann im Einzelfall allerdings womöglich auch dafür gut sein, den Personalchef_innen deutlich zu machen, daß womöglich ihre Einschätzungen dessen, wer qualifiziert sei und wer nicht, geschlechtergerecht anpassen sollten. Wer weiß, vielleicht erleben wir mit der Quote noch so einige Überraschungen.


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Reposted byStadtgespenstzweisatzregenmaedchen

April 04 2011

Sibylle Berg über die Frauenquote

Sibylle Berg fragt in ihrer Spiegel Online-Kolumne, ob es die Frauen wirklich ohne Frauenquote schaffen können, wollen, dürfen:

Randgruppe murmeln Sie, ha, wir sind die Hälfte der Welt. Sicher, die Frauen sind die Hälfte der Welt, in der Schweiz durften sie bereits in den siebziger Jahren wählen, in der Werbung bekommen sie gezeigt, dass sie ständig auslaufen, aussuppen, riechen, schmutzig sind, Binden brauchen, unbedingt Binden, weil sie verdammt noch mal nicht perfekt sind. Sie sind Angehörige einer Randgruppe, Männer diskutieren über die Frauenfrage.

Bitte hier ganz lesen…

(Und hier gab es von ihr schon mal ein wenig Scharfes zum Selbstbild von Frauen.)


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November 30 2010

Ihr habt nur den falschen Partner

Also, liebe Frauen, wenn Ihr nicht richtig Karriere gemacht bekommt, obwohl Ihr eigentlich besser seid als die Männer, dann liegt das daran… daß Ihr Euch den falschen Mann ausgesucht habt. So einfach ist das. (Lesben: Ihr seid da irgendwie nicht mit gemeint.)

So oder so ähnlich muß man sich jedenfalls die Welt aus den Augen von Uli Dönch vorstellen, Redakteur beim Focus. In seinem Kommentar “Frauen im Karriereloch? Selbst schuld!“, der Kopfzeile nach eigentlich mit dem Thema “Frauenquote” beschäftigt, hakt er dieselbe innerhalb der ersten paar Zeilen ab. Warum kommen die Frauen schließlich nicht so recht an die Vorstandsposten?

Die dem Zeitgeist angepasste Antwort wäre: Schuld sind die bösen Männern, die es niemals zulassen, dass die Kollegin an ihnen vorbeizieht. Und dagegen hilft eben nur Zwang. Sprich: die Frauen-Quote.

Aber die hilft natürlich nicht:

Diese Erklärung ist nicht nur feige. Sondern auch falsch. Wer das Phänomen verstehen will, muss tiefer graben. Woran liegt es also wirklich, dass Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten derart unterrepräsentiert sind?

Wohlgemerkt, das ist alles, was der Text an Auseinandersetzung mit dem Instrument der Frauenquote auf die intellektuelle Waagschale werfen darf, da argumentiert sogar Kristina Schröder noch differenzierter. Fragen wir einfach mal nach: Von welchem Zeitgeist ist die Rede? Wo spricht der von bösen Männern? Und warum hat die Telekom dann trotzdem eine Frauenquote eingeführt? Glauben die auch, daß ihre Männer in Führungspositionen alle böse sind, und haben sich dann eben diese Männer für eine feige (feige! Mir wird ganz blümerant!) Lösung entschieden, weil ihre Frauen daheim ihnen mit dem Nudelholz gedroht haben?

Ganz im Ernst: Nur sehr, sehr langsame Gemüter glauben heute noch, daß in den männerbündischen Vorständen aller Unternehmen ausschließlich böse Frauenfeinde regieren (obwohl diese dort so oft vorkommen mögen wie im Rest der Gesellschaft ja auch noch). Aber mindestens die Telekom hat begriffen, daß Strukturen dazu neigen, sich selbst zu reproduzieren, und daß man den Frauenanteil unter den Führungskräften am einfachsten dadurch erhöht, daß man einen bestimmten Anteil von Stellen festschreibt, der mit Frauen zu besetzen sei. Herrgott, sogar die CSU hat inzwischen eine Quote!

Aber Herr Dönch ist wohl zu faul oder zu bequem, sich mit möglicherweise komplexen Fragen zu belasten: Er nimmt sich einen behaupteten Popanz und sagt dann: Feige! Doof! Falsch! Unterkomplex! Und dann macht er einen karrieretheoretischen Dreisprung: Frauen wollen nicht, ihre Männer wollen nicht, weil: die Frauen sich leider den falschen Mann ausgesucht haben. (Wie gesagt: homosexuelle Frauen, ihr seid hier nicht mitgemeint.)

Ich möchte jetzt mal behaupten: Die Erkenntnis, daß man eine “70-Stunden-Tretmühle” als Lebensentwurf nur machen kann, wenn die/der Partner_in “seine Karriere der beruflichen Laufbahn seiner weitaus begabteren Partnerin unterordnet” bzw. des Partners – und warum eigentlich weitaus begabter? – ist so neu ja nun nicht, früher war diese Unterordnung ja normal, man nennt es Versorgerehe, mit Begabung hat es allerdings nicht so viel zu tun. (Früher hatte es vor allem mit Geschlecht zu tun, aber diese historische Dimension packe ich jetzt nicht in aller Größe aus.)

Zur Argumentation wird wieder einmal von “Alpha-Frauen” und “Alpha-Männern” geredet, mit Begriffen also aus der evolutionsbiologistischen Buddelkiste – aber kein Gedanke wird darauf verschwendet, ob eine “70-Stunden-Tretmühle” sinnvoll ist, wünschens- oder lebenswert; ob nicht vielleicht die Selbstverständlichkeit, mit der offenbar männliche Führungskräfte nur Beta- bis Gamma-Weibchen ehelichen (oder ihre Frauen dazu machen) das eigentliche Problem sein könnte, und wie es sich eigentlich mit diesem komischen Ding verhält, das ich manchmal im Scherz gleichberechtigte Partnerschaft nenne. (Katrin hat sich bei der Mädchenmannschaft dazu ein paar ausführlichere Gedanken gemacht.)

Aber ein glückliches Leben ist bei Dönch überhaupt kein Punkt der Argumentationskette. Stattdessen gibt es den Rat an die Frauen, bei der Wahl ihrer Partner doch genauer auf die eigenen Berufsaussichten zu schauen:

Der erste Rat geht an die karrierebewusste Frau: Sie sollte sich mehr Gedanken darüber machen, wen sie zu ihrem Partner wählt. Am besten jemanden, „der in seiner geistigen Kapazität zu ihr passt, der aber glücklich darüber ist, sie bei ihrem beruflichen Aufstieg unterstützen zu können“ (Kellaway).

Vielleicht bin ich für solche kapitalistische Durchdringung der emotionalen Verhältnisse einfach nicht empfänglich genug (obwohl diese natürlich sowieso stattfindet; Eva Illouz kann dazu eine Menge erzählen), aber jedenfalls bekommt der abschließende Rat an die Männer, den Dönch noch parat hat, für mich dadurch einen seltsamen Beigeschmack, obwohl ich ihn grundsätzlich und in der jetzt hier zitierten Reinform sogar nicht falsch finde:

Wer das Glück hat, eine solch tolle Partnerin durchs Leben begleiten zu dürfen, sollte selbstverständlich bei seiner eigenen Karriere zurückstecken.

Aber vielleicht ginge es eben auch alles gemeinsam. Und vielleicht ist “Karriere” auch kein Wert an sich.

@tristessedeluxe sieht übrigens ganz klar, wie man bei der Partner_innenwahl wirklich gewichten sollte. (Den Ironiemarker muß ich dazu nicht setzen, oder, den versteht Ihr auch so?)

so ein Quatsch! Menschen sollten ihre Partner_innen danach aussuchen, ob sie zu ihren Autos passen.


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March 15 2010

Telekom mit Frauenquote

Die Deutsche Telekom führt, die magentafarbenen Spatzen pfeifen es ja von den Dächern, führt bis zum Jahr 2015 eine 30-Prozent-Frauenquote für Führungspositionen in ihrem gesamten Unternehmen weltweit ein.

Das ist eine ziemlich wuchtige Meldung, und die Telekom preist sich in der zugehörigen Pressemitteilung natürlich kräftig selbst – auch wenn René Obermann im ersten zitierten Statement erst einmal auf Defensive macht: “Mehr Frauen in Führungspositionen ist kein Diktat einer falsch verstandenen Gleichmacherei.”

Das wissen andere mindestens schon seit Jahrzehnten (wie sie vielleicht auch das Konzept der “gläsernen Decke” kennen, das in dem Text bemüht wird), aber es ist natürlich schön, wenn ein aller revolutionärer Umtriebe verdächtiges Wirtschaftsunternehmen auch einmal Anschluß an progressive politische Positionen sucht und vielleicht findet.

Was von der Quote dann wirklich umgesetzt wird, wissen wir vielleicht in vier, fünf Jahren. Erst einmal ist interessant, daß das Unternehmen gleich noch die Bundesfamilienministerin als Kronzeugin zitiert, die erst vor ein paar Tagen Quotenregelungen allenfalls als freiwillige Initiative von Unternehmen gelten lassen wollte – eine Position, die sie auch hier wieder bestätigt sieht – einen großen Widerspruch zu ihrer letzten Rede sehe ich jedenfalls, anders als die taz, nicht.

Richtig interessant wäre es aber noch, zu den am Schluß der Telekom-Pressemeldung versteckten zusätzlichen Maßnahmen mehr zu erfahren:

Mit der Entscheidung für einen systematischen Aufbau weiblicher Talente in Führungspositionen baut die Deutsche Telekom auch ihr Programm zur Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben aus. So werden Elternzeitmodelle, Teilzeitmodelle für Führungskräfte, flexible Arbeitszeitmodelle und Kinderbetreuungsangebote ausgeweitet sowie praktische Unterstützungsleistungen im Alltag angeboten.

Denn ich möchte doch sehr hoffen, daß diese Angebote – Elternzeit, Teilzeit etc. – auch und insbesondere für die Männer/Ehemänner/Väter gedacht sind. Ansonsten wird, fürchte ich, auch die begrüßenswerte Frauenquote wenig nachhaltige Änderungen bewirken können.


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